Farbgebung

Farbgebung – Farbgestaltung

Ohne Farben – kein visuelles Gestalten. Wer Farben versteht und ihr Ordnungssystem kennt und versteht, ist in der Lage, mit ihnen zu arbeiten.

Mit Farbgebung im Grafikdesign meint man die Auswahl und Kombination von Farben, um visuelle Harmonien zu schaffen und bestimmte Stimmungen oder Emotionen zu vermitteln. Der Nutzen der Farbgebung besteht darin, Aufmerksamkeit zu erregen, die Markenidentität zu stärken, die Lesbarkeit zu verbessern und gewünschte Emotionen oder Handlungen beim Betrachter zu fördern. Eine durchdachte Farbgebung kann somit die Wirksamkeit der visuellen Kommunikation und die Gesamteffektivität der Designprojekte erheblich steigern.


Die Grundfarben

Lichtfarben – Ur- und Grundfarben des Lichts (auch Bildschirme)

RGB (Rot, Grün, Blau (Violettblau))

Pigmentfarben (Drucker, Handwerker, Künstler)

CMYK (Cyan (-blau), Magenta (-rot), Yellow, Key (Schwarz))

Psychologische Farben

Rot, Grün, Blau und Gelb

Erweiterte Grundfarben der Wahrnehmung

Rot, Grün, Blau, Gelb, Orange, Violett, Rosa, Braun, Schwarz, Weiß und Grau
 


Farbharmonie

Verwenden wir bei einer grafischen Gestaltung nur zwei Farben, kann man mit Gefühl und Gespür nicht viel falsch machen. Sobald mehrere Farben bei der Gestaltung zur Anwendung kommen, desto größer die Gefahr, dass eine Disharmonie unter den verwendeten Farben entstehen kann, oder der Eindruck eines bunten Hundes entsteht.

Plakative Harmonie

In der Werbung, beim Werben, bemüht man sich um Aufmerksamkeit, also wahrgenommen zu werden, in das Bewusstsein des Betrachters vorzudringen.

Plakative Harmonie ist eher in der Lage dahin vorzudringen, als Zurückhaltende. Aber Achtung, zu laut, zu schreiend, zu aufdringlich wird schnell einmal als Penetrant empfunden und dann abgelehnt.

Schlagwörter zur Plakativen Harmonie

  • Harmonischer Farbdreiklang
  • Komplimentärer Farbdreiklang
  • Harmonischer Vierklang, Quadrat
  • Harmonischer Vierklang, Rechteck
  • Komplementäre Harmonie

Ruhige Harmonie

Ruhige Farbkombinationen ergeben sich auf Basis analoger oder monochromatischer Harmonien.

Von einer analogen Farbharmonie sprechen wir, wenn in einem Farbenkreis der Farbklang zur Mitte hin an einer Linie ausgerichtet ist.

Farbhilfen

Bitte beachten Sie, dass Sie die Ergebnisse nicht blind ohne darüber nachzudenken übernehmen sollten. Das eine oder andere Nachbearbeiten kann durchaus wünschenswert sein.

Farbkontraste

Farbkontrast klingt fast wie ein Widerspruch zur Farbharmonie. Farbkontrast und Farbharmonie sind Gestaltungspole. Wenn Sie auf einem Neongelben A4-Bogen ein harmonisches Orange als Schriftfarbe verwenden würden, wird klar, dass Farbharmonie und Kontrast keine Widerspruch, sondern sich ergänzende Gestaltungsvariablen sind.

  • Farb-Kontrast
  • Hell-Dunkel-Kontrast
  • Schwarz-Weiß-Kontrast
  • Kontrast und Erkennbarkeit
  • Kalt-Warm-Kontrast
  • Komplimentär-Kontrast
  • Qualitätskontrast
  • Farbraum (Farbgestaltung einer sichtbaren Ordnung)
  • Farbverteilung
  • Quantitätskontrast
  • Bunt-Unbunt-Kontrast
  • Simultan-Kontrast
  • Gegensätze

Farben und Tonwerte

Tonwert RGB – je heller die Farben um so intensiver ist der Grundfarbton
Tonwert CMYK – je mehr Grundfarbton um so dunkler werden die Farben

Werden Farben in S/W oder in Grauwerten ausgedruckt, kommt es bei verschiedenen Farbkombinationen trotz farblichem Kontrast, zu Problemen. 

Nehmen wir als Beispiel die Landesflaggen Italien und Frankreich und drucken diese in S/W auf einen Bogen Papier aus. Lassen Sie nun einen unbeteiligten Betrachter beurteilen, welche Landesflaggen er vor sich sieht und welche welche ist. Sie erkennen die Herausforderung?!

Farben eines Logos in Graustufen oder S/W

Heben Sie z. B. in einem dunkel gehaltenen Logo ein Detail mit einer Prägnanz farblich hervor, geht in einem Graustufen-Ausdruck die Prägnanz in der Regel verloren oder kehrt sich sogar um. Das sollte auf gar keinem Fall passieren. Um dem entgegen zu wirken, ist ein Lösungsansatz das Logo zusätzlich für den Ausdruck in S/W und Graustufen zu entwickeln.

Gewichtung

Farben haben ein Gewicht – Zeichnen Sie zwei gleich große Kreise, den einen Füllen Sie mit schwarzer Farbe den anderen mit weißer Farbe. Welcher Kreis wirkt schwerer? Ist es der weiße Kreis, oder ist es der schwarze Kreis – der Schwarze.

Daraus lernen wir, dunkle Farben wirken schwerer (haben mehr Gewicht) als helle Farben.

Stellen wir nun obiges Beispiel mit den Kreisfarben Schwarz und Rot nach. Rot wirkt auch in diesem Beispiel leichter als Schwarz, hat aber eine derartige Prägnanz, dass sich die Farbe Rot mit Schwarz punkto Gewichtung messen kann.

Rot ist eine aktive Farbe, daher diese Prägnanz. Blau hingegen hat ein ähnliches Gewicht wie Rot, ist aber eine passive Farbe. Passive Farben, wie Blau, eignen sich daher sehr gut als Hintergrundfarbe.


Farben und Wirkung

Die wichtigsten Farben und ihre Bedeutung – Ein Kurzüberblick

Rot
  • Farbe der Leidenschaft
  • Farbe von Liebe und Tod (Blut)
  • Energiegeladen, auffällig, dynamisch
  • Rot ist wichtig
  • Rot in Verbindung mit schwarz kann bedrohlich wirken
  • Schwarz, Rot und Gelb für Behaglichkeit
Blau
  • Blau ist die Ferne
  • Farbe der einfachen Leute
  • Blau ist seriös
  • Farbe der Union
  • Blau machen und ins Blaue fahren
  • Blau in Kombination
    Blau und Rot = Spannungskontrast
    Blau und Grau wirkt besonders ruhig, seriös und technisch
    Blau, Grau und Weiß = technisch innovativ
Grün
  • Farbe der Mitte
  • Grünes Licht
  • Grün hat viele Gesichter (kann bläulich, gelblich, gräulich oder bräunlich sein)
  • Grün in Kombination
    Grün – Rot = extremer farblicher Kontrast und sehr geringer Tonwertunterschied
    Grün mit Orange und Gelb wirkt sehr frisch
    Grün und Gelb vermitteln den Frühling
    Grün mit Violett oder Grün mit Schwarz = künstlich und giftig
Gelb
  • Gute Signalwirkung
  • Achtung Gefahr
  • Gelb für Behaglichkeit, lebendig und lebensftoh
  • Gelb in Kombination
    Gelb mit Spuren von Schwarz wirkt schmutzig
    Gelb und Schwarz = gute Fernwirkung
Orange

Orange ist eine der häufigsten Farben, hat aber bei uns einen verkannten Stellenwert, oder anders von Frau Eva Heller ausgedrückt "die unterschätzte Farbe". Vieles was Orange ist, wird als gelb oder Rot bezeichnet: Z. B. Eigelb, Gelbe Rüben, Ziegelrot, Abendrot u.a.m.

  • Freundlich und gut sichtbar
  • auffällig
  • lebendig, fröhlich, warm
  • Orange in Kombination
    Orange und Braun = die Farbe des Herbstes, vermittelt Reife und Ernte
    Orange mit Rot wirkt frisch, süß, fruchtig
Violett
  • Violett, die Farbe des Widerspruchs
  • Sie steht für Sex, Religion, Perversion und Glauben, sowie für Lieblichkeit und Gewalt
Rosa
  • Kindlich
  • Unreif
  • Rosa in Kombination
    Rosa und Schwarz = sinnlich verführerisch
    Rosa und Violett = offensive Sexualität (verstärkt – Rosa, Violett und Schwarz)
Braun

Braun, die unbeliebteste Farbe. Assoziation mit düsterer politischer Vergangenheit, mit Unrat, Fäulnis, Kot.

  • Erdig
  • Bodenständig
  • Tradition
  • Spießbürgerlichkeit
  • Faulheit
  • Braun in Kombination
  • Braun mit Orange und Gelb = angenehm, natürlich, warm
  • Braun und Rot = bürgerliche Gemütlichkeit, Tradition

Braun ist überall zu finden und wir tragen es an unserem Körper, unseren Schuhen sind gerne mal braun und das, obwohl es die unbeliebteste Farbe ist.

Schwarz

Schwarz ist genau genommen keine Farbe. Junge menschen lieben Schwarz und ist häufig die Lieblingsfarbe.

  • Schwarz ist die Farbe des Klerus, der konservativen Politik
  • Universell kombinierbar
  • Farbe der Eleganz und der stilvollen Erotik
  • Farbe der Trauer und des Todes
  • Das Böse
  • Illegalität – Schwarzarbeit, Schwarzgeld, Schwarzmarkt, Schwarzhandel
  • Skrupellos – schwarzes Herz oder schwarze Seele, schwarze Schafe
  • Schwarz ist unbestechlich – Schwarz auf Weiß
Weiß
  • Das Gute
  • Ein Friedensangebot
  • Leicht
  • Entschlossen
  • Idealer Hintergrund
  • Weißraum
  • Universell kombinierbar
Grau

Grau – Grauzone, graue Theorie, grauer Alltag, graues Wetter, graue Haare, graue Maus, Grauen, Grausen. Grau ist nich Fisch und auch nicht Fleisch. Dabei ist Grau ein guter Partner in der Nebenrolle.

Hellgraue Flächen sind zurückhaltende Gestaltungselemente, und Text in dunklen Anthrazit- und Grafittönen macht eine Gestaltung weicher als einseitiges Schwarz auf Weiß.

  • Die Farbe des edlen Silbers und Platins
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